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Buchtipps - Krimi

Soziale Isolation, Überarbeitung und Überschuldung führen  in Frankreich zu einer überproportionalen Selbstmordrate unter Landwirten, die letzte amtliche Erhebung von 2015 nennt die Zahl von täglich zwei Suiziden. So oder so ähnlich steht es nicht allzu häufig in den Zeitungen, es ist aber eine traurige gesellschaftliche Tatsache, und sie liefert den Unterbau für diesen Roman, der in einem Städtchen in der abgelegenen Bergwelt des französischen Massiv Central spielt.

Am Ufer des St. Lawrence River in Montreal wird die Leiche einer 15jährigen Frau indianischer Abstammung angeschwemmt. Jeanette Maskisin wurde ermordet. Die Presse berichtet darüber „Wieder eine tote Indianerin. Polizei bleibt untätig.“ Untätigkeit wird der Polizei im Staate Quebec von seiten der First-Nation-Regierung schon länger vorgeworfen. Denn seit Jahren verschwinden junge Frauen indigener Herkunft spurlos entlang des Transcanada-Highways, und davon wurde kein Fall aufgeklärt.

In einem heruntergekommenen Hochhaus in einem sozial abgehängten Viertel von Edinburgh lebt der siebzehnjährige Tyler mit seiner alkohol- und drogensüchtigen Mutter und seiner kleinen Schwester Bean. Auf ihm lastet es, den Alltag meistern zu müssen und es für Bean nicht allzu spürbar werden zu lassen, in welch ärmlichen und aussichtslosen Verhältnissen sie leben müssen. In einer Nachbarwohnung hausen sein aggressiver Stiefbruder Barry, zusammen mit dessen Schwester Kelly und zwei bösartigen Hunden.

Kalmann ist ein liebenswerter, kognitiv beeinträchtiger Mann von 34 Jahren, der in der Dorfgemeinschaft von Raufarhöfn, einem kleinen Ort im Norden Islands, gut aufgehoben ist. Er hat sich selbst zum Sheriff erklärt, hat er doch von seinem seit der Kindheit abwesenden Vater immerhin einen Cowboyhut, Sheriffstern und Gewehr aus den fernen USA geschickt bekommen.

Man kennt es vielleicht noch aus dem nervenaufreibenden  Suter-Roman  Small  World:  die  Alzheimer-Erkrankung kann auch ein veritables Feld für kriminelle Phantasien sein. Dass  ausgerechnet  ein  Serienmörder  dem  Vergessen  anheimfällt,  davon  erzählt  der  südkoreanische Autor in kurzen Kapiteln und hingetupft so scheinbar  klarsichtigen  Zeilen,  dass  einem  fast  lyrisch zumute wird.

Crissy ist eine knallharte Profiverbrecherin. Sie ist spezialisiert auf Diebstahl. In dem 4. Krimi mit dieser ungewöhnlichen Protagonistin muss sie wieder all ihr Können und ihre Toughness aufbieten, um aus einem scheinbar gut zu handhabbaren "Einsatz" raus zu kommen. Crissy lässt sich von einem reichen Kunstsammler als Diebin anheuern. Ziel des Raubs ist ein LKW voll geplünderter Arte­fakte aus dem Irak, die Crissa stehlen soll, bevor sie wieder in ihr Heimatland zurückgeführt werden müssen und der Kunstsammler sein Geld verliert.

Jetzt auch im Taschenbuch! Der Australier Gerry Disher gilt als einer der großen alten Männer der Kriminalliteratur, bereits zwei Mal wurde er mit dem renommierten Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Mit Bitter Wash Road hat Disher den Grundstein für eine neue Reihe gelegt, die im australischen Outback angesiedelt ist.

Pieter Posthumus (ein klasse Name!) arbeitet im Amsterdamer Büro der einsamen Toten, und seine Aufgabe ist es, aufgefundene anonyme Tote zu bestatten. Dazu heißt es vorher recherchieren, ob es Verwandtschaft oder einen Nachlass gibt, damit der Stadt die Beerdigungskosten erspart bleiben. Nun ist der freundliche P.P. so empathisch, dass ihn das Schicksal der Verstorbenen manchmal so beschäftigt, dass er einfach zum Hobbyermittler werden muss. So auch bei den beiden Wasserleichen, die kurz hintereinander in Grachten gefunden wurden.

Hakan Nesser, schwedischer Autor, schreibt seit den frühen neunziger Jahren Romane, meist Kriminalromane mit und ohne Serienhelden, in unglaublicher jährlicher Regelmäßigkeit.

Der dritte Fall für Detective Emmanuel Cooper hat einfach alles, was für mich einen guten Krimi ausmacht: Spannung, einen guten Plot, glaubhafte Figuren und eine Prise Humor. Wenn ich als Leser dazu noch etwas über andere Kulturen und Geschichte lerne wie in diesem Fall, nehme ich das gerne als Zugabe.